Radschnellweg zwischen Aschaffenburg und Hanau
Zwischen Aschaffenburg und Hanau soll eine leistungsfähige Radverbindung entstehen, die Fahrten zur Arbeit, zur Schule oder zu anderen Zielen mit dem Fahrrad attraktiver machen soll. Der geplante Radschnellweg verbindet auf einer Strecke von rund 40 Kilometern Kommunen in Bayern und Hessen miteinander. Ziel ist es, Radfahrenden eine sichere und komfortable Alternative zum Auto zu bieten – und damit gleichzeitig den Radverkehr als Teil der Alltagsmobilität zu stärken.
Radschnellwege beziehungsweise Radschnellverbindungen bilden die höchste Netzkategorie im Radverkehr. Gerade durch Pedelecs und E-Bikes wird es für Pendlerinnen und Pendler zunehmend attraktiver, auch längere Strecken mit dem Fahrrad zurückzulegen. Radschnellwege setzen genau hier an: Sie sind darauf ausgelegt, viele Radfahrende auch über längere Distanzen schnell, sicher und komfortabel ans Ziel zu bringen.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht möglichst schnelles Fahrradfahren, sondern ein gleichmäßiges und möglichst unterbrechungsfreies Vorankommen. Kurze Wartezeiten an Ampeln und Kreuzungen tragen beispielsweise dazu bei, die Reisezeit zu verkürzen.
Radschnellverbindungen sollen daher keine Rennstrecken sein. Vielmehr geht es um breite und hochwertige Wege, eine möglichst vom Autoverkehr getrennte Führung sowie sichere Querungsmöglichkeiten – beispielsweise auch durch Brücken oder Unterführungen. So lassen sich Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmenden reduzieren. Der Radverkehr wird komfortabler und sicherer.
Das Projekt erstreckt sich über die Landesgrenzen von Bayern und Hessen. Beteiligt sind die Städte Aschaffenburg und Hanau, der Landkreis Aschaffenburg und der Main-Kinzig-Kreis sowie die Gemeinden Kleinostheim, Mainaschaff, Karlstein am Main, Kahl am Main und Großkrotzenburg.
Die ersten Gespräche über eine mögliche Radschnellverbindung begannen bereits 2019. Gemeinsam wurde schließlich eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die seit ihrer Fertigstellung Mitte des Jahres 2024 als Grundlage für die weiteren Schritte dient.
Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass eine leistungsfähige Radverbindung zwischen Aschaffenburg und Hanau grundsätzlich realisierbar ist. Sie enthielt zudem Empfehlungen zum Trassenverlauf, konkrete Maßnahmenvorschläge und eine Nutzen-Kosten-Analyse.
Auch die Perspektiven der Kommunen und der Öffentlichkeit flossen in die Untersuchung ein. So konnten Bürgerinnen und Bürger beispielsweise 2022 online ihre Einschätzungen zu möglichen Trassenverläufen abgeben.
Ein wesentlicher Nutzen ist das erwartete Verkehrsaufkommen. Auf den Zulaufstrecken nach Aschaffenburg und Hanau könnten künftig jeweils bis zu 2.500 Radfahrende pro Tag unterwegs sein. Im mittleren Abschnitt wird mit durchschnittlich etwa 1.500 Radfahrenden täglich gerechnet. Damit besteht ein erhebliches Potenzial, Fahrten vom Auto auf das Fahrrad zu verlagern.
Insbesondere für Pendlerinnen und Pendler könnte eine hochwertige und durchgängige Radverbindung eine attraktive Alternative darstellen. Schon heute werden die vorhandenen Radwege entlang des Korridors für Arbeits- und Schulwege genutzt. Hinzu kommen Freizeitfahrten, etwa zu den Badeseen entlang der Strecke. Die geplante Verbindung würde diese bestehenden Wege aufwerten und besser miteinander verknüpfen.
Von einem höheren Radverkehrsanteil könnten wir alle profitieren. Weniger Autoverkehr kann dazu beitragen, Staus sowie Lärm- und Schadstoffemissionen zu reduzieren.
Auch gesundheitliche Aspekte spielen eine Rolle. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann bereits rund 30 Minuten moderate Bewegung pro Tag dazu beitragen, das Risiko für verschiedene Erkrankungen zu senken, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und bestimmte Krebsarten.
Für große Teile der Strecke wurden sogenannte Vorzugstrassen identifiziert. Zwischen Hanau und Kahl am Main sowie zwischen Kleinostheim und Aschaffenburg soll die Verbindung (nord-)östlich der Main-Spessart-Bahn verlaufen.
Für den mittleren Abschnitt zwischen Kahl am Main und Kleinostheim wurden zwei mögliche Trassenvarianten identifiziert.
Variante A führt westlich der Bahnstrecke entlang und bindet die Siedlungsschwerpunkte besser an.
Variante B verläuft östlich der Bahn und ermöglicht dadurch eine direktere Linienführung. Diese Variante wäre allerdings erst mittel- bis langfristig im Zusammenhang mit dem Ausbau der Main-Spessart-Bahn sinnvoll umsetzbar.
Welche Variante letztlich umgesetzt wird, ist derzeit noch offen.
Mit der Mitte 2024 abgeschlossenen Machbarkeitsstudie liegt eine wichtige Grundlage für die nächsten Schritte vor. Nun sind die beteiligten Kommunen und Landkreise gefragt, über das weitere Vorgehen in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich zu entscheiden.
Bis zu einer tatsächlichen Umsetzung ist noch ein längerer Planungs- und Genehmigungsprozess erforderlich. Auf Grundlage entsprechender Beschlüsse können die beteiligten Kommunen anschließend gemeinschaftlich oder einzeln Förderanträge stellen und finanzielle Mittel für die Realisierung einwerben.
Auch wenn die Untersuchung eine positive Nutzen-Kosten-Bilanz ausweist, ist der geplante Ausbau mit erheblichen Investitionen verbunden. Die politischen Entscheidungen werden daher maßgeblich dafür sein, ob und in welcher Form die Radschnellverbindung zwischen Aschaffenburg und Hanau letztlich umgesetzt wird.